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Agile - Dead or Alive?

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In der letzten Woche fand im Phantasialand in Brühl eine der für HR wichtigsten Leitkonferenzen zu den Themen Vision, Digitalisierung und Transformation statt - die #NextChampions. Dr. Winfried Felser hatte rund 500 führende Köpfe geladen - entsprechend hochkarätig waren Foren, Workshops und Panels mit Praxisvertretern, HR-Beratern, Wissenschaftlern und Politikern besetzt.

Am Rande eines Panels zum Thema "Agile: Dead or Alive?" hatte ich die Gelegenheit, mich mit Roland Hehn, CHRO von Heraeus, auszutauschen. Dabei ging es auch um die Frage, ob man eine Organisation grundsätzlich auf "agil" drehen kann und ob ein solches Vorhaben überhaupt Sinn macht. Bei solchen Pauschalfragen ist die Antwort meist offensichtlich. Immer dann, wenn es dogmatisch oder religiös wird, muss man sehr vorsichtig werden und genau hinschauen. Roland Hehn hat später im Panel ein schönes Beispiel gebracht, das ich hier gerne wiedergebe: 

Projektmanagement ist wie Rudern

Der "Achter" ist im Rudern die schnellste Form der Fortbewegung auf dem Wasser. Acht Personen treiben das Ruderboot mit Riemen und Skulls voran. Wie in allen Ruderbooten, so ist insbesondere beim Achter eine gute rudertechnische Abstimmung zwischen allen Mannschaftsmitgliedern wichtig für den Erfolg. Diese Aufgabe übernimmt der Steuermann. Neben der Steuerung des Bootes obliegt ihm die taktische Koordination der Rudermannschaft. Während diese Form des Ruderns für Rennen auf Seen und Regattastrecken sehr gut geeignet ist, wäre das gleiche Setup für eine Wildwasserfahrt völlig unpassend. Man erkennt an diesem Beispiel sofort, dass es nicht möglich ist, die Diskussion über die Form der Fortbewegung losgelöst von den Rahmenbedingungen zu führen. Vielmehr noch, müssen zuerst die Rahmenbedingungen betrachtet werden, bevor man über Lösungsansätze sprechen kann.

Agil oder klassisch?

Gleiches gilt natürlich auch für die Frage, ob Agiles Projektmanagement gegenüber dem klassischen Wasserfall-Ansatz passender oder effizienter ist. Man kann die Frage einfach nicht beantworten, ohne sich das konkrete Einsatz-Szenario vorher anzusehen. Und da wir in den Unternehmen nur selten homogene Umfelder vorfinden, kann es auch keine Entscheidung nur für den einen oder nur für den anderen Ansatz geben. Agile und klassische Methoden haben - je nach Konstellation - ihren Platz und ihre Daseins-Berechtigung. Selbst Kombinationen bzw. die Verwendung agiler Werkzeuge wie z. B. Kanban-Boards oder Stand-Ups können durchaus in traditionellen Projekten zum Einsatz kommen. Gerade wir Berater müssen an dieser Stelle aufpassen, dass wir uns nicht zu vertikal - und damit gelegentlich am Kundennutzen vorbei - positionieren.

Erst die Fakten - dann die Theorie

Eine der wichtigsten Lektionen in der Kriminalwissenschaft lautet ungefähr folgendermaßen: Wir dürfen keine frühen Theorien über den Täter oder über den Tathergang aufstellen, da uns am Anfang der Ermittlungen noch nicht alle Informationen und Fakten vorliegen. Wenn wir das doch tun, laufen wir Gefahr, dass wir die Bedeutung späterer Informationen an unsere bereits aufgestellte Theorie anpassen, anstatt unsere Theorie aufgrund der neuen Faktenlage zu korrigieren. 

Meine Forderung an die Berater

Gleiches gilt in der Beratung. Wenn ich mir nicht die Zeit nehme, mit meinem Kunden genau zu analysieren, welche Ursachen dem Problem zugrunde liegen, dann bin ich auch nicht in der Lage, den passenden Beratungsansatz vorzuschlagen. Konkreter: Wenn ich nur agiles Projektmanagement im Angebot habe, dann mag dieser Ansatz sicherlich in einigen Situationen passen - vermutlich aber nicht in allen. Wenn wir verantwortungsvoll mit unserem Beratungsauftrag umgehen, dann müssen wir unter Umständen sogar die Erwartungshaltung unserer Kunden korrigieren - und wenn das nicht geht, dann möglicherweise auch einmal auf einen Beratungsauftrag verzichten. Gerade jetzt, wo Buzzwörter wie "Agilität", "New Work", "Digitalisierung" etc. in den HR-Abteilungen geradezu inflationär verwendet werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass manch verantwortlicher HR-Manager den falschen Propheten folgt. Dynamische Modetrends einzufangen und auf dem Prüfstein der Rahmenbedingungen zu validieren, halte ich für eine unserer wichtigsten Aufgaben.

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