Produktfreigabe mithilfe statistischer Tests
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Unternehmen
Das Projekt wurde von dem Interim Manager im Auftrag eines Providers durchgeführt.
Ein international führender Hersteller hydraulischer, elektromechanischer und hybrider Produkte und Systeme in Europa für den B2B-Sektor
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Ausgangslage
Umstellung der internen Vorfertigung auf externe Zukaufteile in zehn Produktfamilien; dazu war die Zertifizierung und Qualifizierung von spezialisierten Lieferanten notwendig. Anschließend mussten alle Teilefamilien einzeln einem aufwendigen Prüfverfahren im eingebauten Zustand bestehen, um auf Serienbezug umzustellen. Die Vorgaben der zu erreichenden Testwerte der Hydraulikaggregate wurden mit diversen Hauptkunden im Vorfeld abgestimmt, um bestehende Lieferverträge nicht zu verletzen.
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Painpoints
Neben den reinen Abmaßen wurden Materialien und teilweise auch Fertigungsverfahren vorgegeben, um die Toleranzgrenzen von z.T. wenigen μ einzuhalten. Die Umstellung der einzelnen Teilefamilien unterschied sich im zeitlichen Aufwand teilweise deutlich. Dieser Umstand erforderte eine theoretisch hohe Anzahl an zu Prüfzwecken zu montierenden Hydraulikaggregaten.
Auch mussten alle bereits georderten Vormaterialien auf Lieferantenbezug umgestellt werden
Aufgabenstellung
Um die physikalische Bereitstellung der Pumpen möglichst gering zu halten, entstand die Idee einer statistischen Untersuchung der Ergebnisse. Statistische Tests bilden eine breitgefächerte Methodik aus der Six Sigma-Welt ab, um bei positiven Ergebnissen gesicherte Aussagen über Charakteristika der untersuchten Messgrößen treffen zu können, Stichwort „statistische Gleichheit“. Sollten die physischen Maße der Einzelteile gleiche Mittelwerte bzw. gleiche Streuungen aufweisen und gleichzeitig die Ergebnisse der ersten, physischen Testläufe ebenfalls eine statistische Gleichheit darstellen, kann der Einsatz von entsprechenden statistischen Tests und positiven Ergebnissen den aufwendigen Bau und den Testlauf von vielen Pumpen ersetzen - ohne Gefahr einer Qualitätsminderung.
Nach einer Reihe abteilungsübergreifender Diskussionen fasste die Geschäftsführung den Entschluss, den Weg über statistische Tests einzuschlagen.
Vorgehensweise
Im ersten Schritt wurden physikalische Endmaße der Einzelteile sowie Ergebnisse der Testläufe analysiert und verglichen. Mathematische Prüfungen auf normalverteilte Merkmale stellten die Grundlage der Statistik dar; weitere Tests auf Gleichheit der Streuungen (paarweiser Vergleich) bestätigten in ca. 80% der Untersuchungen eine statistische Gleichheit, hier konnten die physikalischen Tests auf ein Minimum reduziert werden (3 statt 25 Pumpen je Baugröße und Teilefamilie).
Im Falle der nicht nachweisbaren statistischen Gleichheit wurde das volle Prüfprogramm durchlaufen, um keine qualitätsrelevanten Einschränkungen zu riskieren.
Ergebnis
Das ursprünglich angedachte Volumen der Prüfstandsläufe konnte durch den Einsatz der Statistik signifikant reduziert werden. Hier ergaben sich deutliche Vorteile für unseren Auftraggeber, was einerseits den zeitlichen Aufwand, andererseits die intensive Kapitalbindung betraf - ohne Einbußen auf die Produktqualität. Die knappe Prüfstandskapazität konnte gezielt auf die übrigen, statistisch nicht-gleichen Teile gelenkt werden, um diese konventionell freizufahren.