Ausgangslage
Ein führender europäischer B2B-Hersteller hydraulischer und elektromechanischer Systeme stellte die interne Vorfertigung in zehn Produktfamilien auf extern bezogene Teile um. Dafür waren spezialisierte Lieferanten zunächst zu zertifizieren und zu qualifizieren. Anschließend musste jede Teilefamilie einzeln einem aufwendigen Prüfverfahren im eingebauten Zustand unterzogen werden, bevor der Serienbezug freigegeben werden konnte. Die zu erreichenden Testwerte der Hydraulikaggregate waren vorab mit den Hauptkunden abgestimmt, um bestehende Lieferverträge nicht zu gefährden.
Der Auftraggeber
Das Projekt wurde von unserem Partner im Auftrag eines Providers durchgeführt.
Endkunde ist ein international führender B2B-Hersteller hydraulischer, elektromechanischer und hybrider Produkte und Systeme mit Schwerpunkt Europa.
Die Herausforderung
- Geplanter Prüfumfang erforderte eine sehr hohe physische Bereitstellung von Pumpeneinheiten und erzeugte erhebliche Kapazitäts- und Kostenbelastungen.
- Begrenzte Prüfstandskapazität drohte zum Engpass zu werden und den Zeitplan der Serienfreigabe für alle zehn Produktfamilien zu gefährden.
- Nicht freigegebene Teilefamilien banden Kapital und verzögerten die Umstellung auf externen Zukauf.
- Vertraglich mit Hauptkunden vereinbarte Testwerte der Hydraulikaggregate durften zu keinem Zeitpunkt unterschritten werden.
Aufgabenstellung
Der Interim Manager sollte den Umfang der physischen Prüfstandsläufe durch den gezielten Einsatz statistischer Methoden reduzieren, ohne die vereinbarten Qualitätsanforderungen zu kompromittieren. Konkret war zu prüfen, ob statistische Gleichheit zwischen Inhouse- und Zukaufteilen nachweisbar ist und welche Teilefamilien auf dieser Grundlage mit einem verkürzten Prüfprogramm freigegeben werden können.
Vorgehensweise
- Physikalische Endmaße der Einzelteile sowie Ergebnisse bestehender Testläufe systematisch analysiert und als Datenbasis gegenübergestellt.
- Mathematische Tests auf Normalverteilung der relevanten Messmerkmale als statistische Grundvoraussetzung durchgeführt.
- Streuungen und Mittelwerte zwischen Inhouse- und Zukaufteilen je Baugröße und Teilefamilie paarweise mithilfe von Hypothesentests aus der Six-Sigma-Methodik verglichen.
- Alle Teilefamilien in zwei Gruppen klassifiziert: statistisch gleich (reduziertes Prüfprogramm mit 3 statt 25 Pumpen je Baugröße und Familie) und statistisch nicht gleich (vollständiges Prüfprogramm).
- Verfügbare Prüfstandskapazität gezielt auf die Teilefamilien konzentriert, für die keine statistische Gleichheit nachgewiesen werden konnte.
Ergebnis
- In rund 80 % der untersuchten Teilefamilien statistische Gleichheit nachgewiesen; der Prüfumfang sank von 25 auf 3 Pumpen je Baugröße und Familie.
- Gesamtumfang der Prüfstandsläufe deutlich reduziert; der zeitliche Aufwand für die Serienfreigabe verkürzte sich entsprechend.
- Kapitalbindung durch bereitgestellte Prüfeinheiten erheblich gesenkt, ohne Abstriche bei den vertraglich vereinbarten Qualitätsvorgaben.
- Knappe Prüfstandskapazität auf die verbleibenden statistisch nicht-gleichen Teilefamilien konzentriert und dort konventionell abgearbeitet.